Leidenschaft für die Arbeit

Leidenschaft für die Arbeit

Seit meiner Kindheit definiere ich mich über meine Leistung auf der Arbeit. Zu Schulzeiten war das nicht so dramatisch. Dann weint man halt mal ein bisschen, weil man eine 3 geschrieben hat.

Während der Promotion ist dieser Wesenszug dann gefährlich geworden. Rückschläge in der Forschung sind so häufig, dass es ziemlich ungünstig ist, wenn das persönliche Glück davon abhängt. Meiner Einschätzung nach haben viele meiner Kollegen dieses Problem durch häufiges Feierabendbier mit gleichzeitiger Lästerrunde über den Betreuer bekämpft. Im zweiten Job nach der Diss muss ich nun leider erkennen, dass mich diese Strategie nicht wirklich weiter bringt.

Aber wie kann man als Mensch, der sich selber über seine Arbeit und seine Leistung definiert, der viel und gerne arbeitet, der quasi ein Workoholic ist, wie kann man dabei glücklich sein?  Wenn bei mir nun etwas nicht gut läuft auf der Arbeit ist es zur Zeit so, dass ich kreuzunglücklich bin. Heulend auf dem Sofa sitze und mich trösten lassen muss. Schön ist anders. Aber warum bin ich so unglücklich? Ist das mein Fehler oder liegt das an dieser Arbeit? Sind die Leute hier doof und ich sollte lieber früher als später die Segel streichen?

Um diese Dinge zu klären hätte ich gern einen Mentor. Jemanden mit viel Erfahrung, der mir mal ein paar Tipps geben könnte. Wie man sich abgrenzt, wie man mit Widerständen umgeht usw.

leidenschaftslos = glücklos?

leidenschaftslos = glücklos?

Heute ist einfach so verplätschert. Ein Tag weniger. Eine Chance weniger, meine Leidenschaft zu entdecken.

Ich musste wieder mal realisieren, wie wenig ich von dem schaffe, was ich gern schaffen würde. Zur Zeit sind es wohl etwa 10 Bücher, die ich eigentlich lesen müsste, hunderte von Seiten Text, die ich produzieren müsste. Dazu wird es wohl nie kommen. Aber wäre es besser, wenn mir das nicht bewusst wäre? Wahrscheinlich nicht. Langsam akzeptiere ich, dass ich niemals all das lesen, wissen, denken und schreiben werde, wie ich gern würde.

Der heutige Tag geht auf jeden Fall weder als der glücklichste noch als der leidenschaftlichste in die Geschichte dieses blogs ein. Der Schönste Moment heute war, als ich die heißen Nudeln meines Abendessens im Mund hatte. Mit Parmesan und Liebe drüber geraspelt.

Und jetzt: Auf dem Couchtisch steht ein Glas Rotwein (ohne Parmesan aber ebenfalls mit Liebe), über den Fernseher flimmert ein Making-Of einer Indiana Jones-DVD. Neben mir auf dem Sofa: der Nicht-Suchende mit einem Bier in der Hand. Heute ist mir die leise Zufriedenheit genug.

Leidenschaft und Gegenwart

Leidenschaft und Gegenwart

Gestern im Gespräch entwickelt:

1. Uns ist aufgefallen, dass wir entweder in der Vergangenheit schwelgen oder einer diffusen Vision der Zukunft entgegenirren.

2. Das ist total unbefriedigend, weil wir immer nur hin- und herhetzen ohne zu wissen, was wir eigentlich wollen aber immer mit dem Gefühl, etwas zu verpassen oder nicht zielgerichtet zu handeln.

3. Paradoxerweise bringen wir dennoch beide eine gewisse Grundzufriedenheit mit.

4. Warum gelingt es uns so selten einfach in der Gegenwart aufzugehen und das Leben, das im Moment ist, zu genießen? Mal nicht darüber nachdenken, was war, was kommt, was nie mehr möglich ist …

5. Mein Plan für heute Abend: probieren, einfach im Jetzt zu sein. Ist es ok, wenn dabei Desperate Housewives läuft?

I have a passion for underwear

I have a passion for underwear

sagte David Beckham bei Leute heute im ZDF. Er meint damit jedoch nicht, wie man meinen könnte, weibliche Unterwäsche. Nein, es geht um seine neue Unterwäschelinie für Herren, die in Kooperation mit einem schwedischen Modehaus entstanden ist.

Aber kann man für eine so triviale Sache wie seine eigene Unterwäsche wirklich eine Leidenschaft haben? Mir liegt es irgendwie fern mich für Dinge zu begeistern. Ich weiß nicht, was mir fehlt, aber ich verstehe weder den Apple-Hype noch, warum man ein bestimmtest Auto fahren will/muss. Ein Teil muss funktionieren. Das Design kann ich als Naturwissenschaftlerin eh nicht beurteilen.

Ich muss allerdings zugeben, beim Thema Unterwäsche ist auch mir der Hersteller wichtig. Aber nur, weil ich bei meiner Marke die richtige Größe kenne und genau weiß, dass die BHs fünf Jahre Waschmaschine überstehen ohne dass mich ein Bügel ersticht. Und schwarz macht einfach einen schlanken Fuß.

Also, Leidenschaft beim Thema Klamotten? Da müsste ich schon über Schuhe schreiben…

Ist Leidenschaft gegendered?

Ist Leidenschaft gegendered?

Diese Frage hat sich mir aufgedrängt nachdem ich am Wochenende einen Zeitungsartikel im Freitag gelesen habe. Dort behaupten zumindest ein Herausgeber und ein Redakteur des Magazins Merkur im Interview, dass Männer die besseren Essays schreiben. Oder zumindest bei ihnen zur Veröffentlichung einreichen. Die Rede ist von einer “agonalen, kämpferischen Atmosphäre” des Magazins. Davon lebe die Zeitschrift. Von Menschen, die brennen, etwas zu sagen haben, polarisieren. Süßholz raspeln würde so gar nicht ins Konzept passen und auch den Leser nicht überzeugen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich als LeserIN schon ziemlich geladen. Ich bin keine Feministin oder Emanze, aber sowas geht irgendwie nicht. Die beiden Interviewten behaupten, dass Männer nun mal polarisierender schreiben und ihre Position stärker und für den Leser interessanter vertreten. Haben Frauen nichts zu sagen? Sind wir weniger leidenschaftlich, dafür harmoniebedürftig?

Im weiteren Verlauf des Interviews geht es um Themen, über die ich in diesem blog auch schon geschrieben habe. Leidenschaft, Dranbleiben. Ein schönes Zitat: “An einem solchen Thema dranzubleiben und zwar über den Punkt hinaus, an dem man das Interesse nur noch schwer aufbringen kann, das ist mir wichtig.” Vom Frauenthema ist man nun also zum Glück weg. Ein weiteres Zitat: “Ich wünsche mir nicht zuletzt Texte, über die ich mich nutzbringend ärgern kann, weil sie von mir ganz sicher nicht vertretene Positionen schlau argumentieren.”

Insgesamt viel blabla und wenig Substanz in einem Interview, das wohl dem Zweck dient, mehr Merkur-Zeitschriften zu verkaufen. Ach ja: und neue Autorinnen zu finden: Gesucht werden besonders weibliche Essayistinnen für den Bereich Naturwissenschaften & Technik. Also: alle leidenschaftlichen Naturwissenschaftlerinnen losgetippt: das Magazin Merkur will wissen, wofür wir brennen!

leidenschaftlich kämpfen …

leidenschaftlich kämpfen …

… und Geniales leisten oder einfach aufwachsen und schnell aufgeben?

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass nur Menschen mit einer schlechten Kindheit Großes leisten. Vielleicht ist das genau der Punkt. Menschen mit einer schlechten Kindheit haben gekämpft. Ich Luxuskind musste lediglich ein bisschen schummeln/lügen/betrügen, um mich durchzuwuseln. Sind nur Kämpfer leidenschaftlich?

Ich glaube, ich habe erst sehr selten in meinem Leben für etwas kämpfen müssen. Da fällt mir wirklich nichts ein. Weder in der Kindheit/Jugend noch jetzt in meinem “Erwachsenenleben”. Eigentlich durfte und konnte ich immer alles, was ich wollte.

Moment, durch die Musik, die nebenher läuft (Bloc Party, Intimacy), fällt mir mein großer Kampf ein: meine Dissertation. Aber das war eher so ein Duchhalteding. Nichts, wo man mit flammendem Schwert einem klar definierten Feind entgegen tritt. Keine message, keine Bedeutung. Nur Durchhalten, um es den anderen zu beweisen. Das ist doch keine Leidenschaft oder? Ich kenne übrigens sehr viele Doktoranden, die mit echter Leidenschaft dabei sind. Weil sie vom Thema, von der Idee begeistert sind. War bei mir anders …

Ist das was Schlimmes?

Vielleicht könnte man es auch nett ausdrücken: Ich liebe es, einfach und unkompliziert zu leben. Gegen echten Gegenwind ansegeln? Nicht mit mir, ich dümpele lieber mit Rückenwind vor mich hin als hoch am Wind in Schieflage zu liegen. Dazu passt es leider nicht, dass ich mich immer wieder außerhalb meiner Komfortzone bewege. Mich immer wieder herausfordere mit unangenehmen Situationen und gegen jede Logik.

Vielleicht ist das der Kampf meines Lebens: endlich akzeptieren, dass ich Herausforderungen suche, meistere, brauche, leidenschaftlich liebe.

blogritual

blogritual

Heute Morgen habe ich mir fest vorgenommen, diesen blog zu einem Ritual zu machen. Ich habe schon viel darüber gelesen, wie man ein produktiver Schreiber wird (egal ob beruflich oder privat) und das lässt sich einfach runterreduzien: an den Schreibtisch setzen und schreiben. Egal, ob mit oder ohne Lust. Ein blog über Leidenschaft ohne Lust zum Schreiben: interessante Voraussetzungen …

Das schreit doch förmlich nach einem Schreibritual: jeden Morgen als erstes einen Blogeintrag schreiben. Da das nicht mein erster Selbstversuch in diese Richtung ist (davon zeugen zahllose angefangene Tagebücher und Free-Writing-Heftchen), bin ich skeptisch, ob ich durchhalte. Allerdings kommt nun noch eine ganz neue Komponente hinzu: es könnte ja jemand bemerken, dass ich nichts geschrieben habe.

Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer regelmäßigen Tätigkeit und einem Ritual? Von Wikipedia erfahre ich, dass ein Ritual eine Handlung ist, die nach festen Regeln abläuft, meist feierlich-formellen Charakter hat und einen gewissen Symbolgehalt aufweist. Hört sich für mich nach einer vorerst gelungenen Beschreibung für diesen blog an.

Also hoch und heilig versprochen: Ich werde weiter ritualisieren!

leidenschaftlich glücklich sein?

leidenschaftlich glücklich sein?

Manchmal ist die Leidenschaft da, manchmal ist sie verloren gegangen. Oder sie war noch nie da. Oder sie dominiert das ganze Leben.

Manche Menschen brennen lichterloh, manche bewegen sich eher innerhalb niedriger Amplituden.

Um sich mit dem Thema Leidenschaft intensiver zu beschäftigen, starten wir diesen blog und tauschen uns über Beispiele für leidenschaftliche Menschen, Leidenschaft im historischen Kontext und Selbstversuche aus.